Fakten über das Wohnen und Bauen in Jülich

Fakten über das Wohnen und Bauen in Jülich

Das Stadtgespräch zum Thema bezahlbarer Wohnraum in Jülich gab viel zum Nach- und Bedenken. Einige Erkenntnisse.

1. Mit dem entsprechenden Budget kann man in Jülich sehr gut wohnen.

Noch während der Bauphase, so wurde es an diesem Abend gesagt, sind die angebotenen hochpreisigen Wohnungen und Häuser teilweise bereits an den Käufer bzw. Mieter gebracht.

Das war vor 14 Jahren noch anders: Der Investor Bouwfonds gab auf dem Walramplatz 2001 das Projekt, einen Mischkomplex mit Supermarkt um Café im Erdgeschoss und Wohnungen im Obergeschoss zu bauen auf. Begründung: Die geplanten Wohnungen seien nicht vermarktbar (sprich: zu teuer).

Heute würden die Wohnungen nach Lage der Dinge „Weggehen, wie warme Semmeln“. Denn, so war es zu hören, besonders vermögende Senioren aus den umliegenden Ortschaften drängt es in die Kernstadt, sie wollen innenstadtnah und doch im Grünen wohnen.

2. Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum wird nachweislich wachsen.

Auf den Wohnungsmarkt drängen die Geburtenjahrgänge ab 1950, die ab jetzt in Rente gehen. Durch das interkommunale Gewerbegebiet Merscher Höhe wächst der Bedarf an Wohnraum. Berücksichtigt werden muss auch der Bereich „Zuwanderung“.

Einige Fakten:

Die durchschnittliche Rente in Deutschland betrug zum 31.12.2013 rund 766€. (Quelle DRV). Zwar ist dieser statistische Wert irreführend, weil zu viele verschiedene Gruppen in die Ermittlung der Durchschnittsrente mit einfließen, aber der Unterschied zum aktiven Berufsleben wird hinsichtlich der Einkommensverhältnisse ab dem Rentenbezug eklatant. Der Begriff der Altersarmut ist omnipräsent. Kommt dann noch der Verlust des Partners hinzu, wird die Situation teilweise dramatisch.

Mit 1800 Menschen, die Wohnungen suchen – Mitarbeiter und ihren Familien – ist zu rechnen, wenn das interkommunale Gewerbegebiet ein voller Erfolg wird, was hoffentlich eintrifft. Bei einem durchschnittlichen Arbeitnehmernettoeinkommen von rund 1800 € (Statistisches Bundesamt 2015) müssen in Jülich bezahlbare Wohnungen entstehen.

Der Zuzug von Flüchtlingen aus den Krisenherden wird uns auch in den nächsten Jahren beschäftigen. Als einer der reichsten Staaten dieser Welt hat Deutschland eine Verpflichtung, seinen Anteil bei der Linderung der Not dieser Menschen zu leisten.

Die Stadt Jülich sucht händeringend Wohnraum für Flüchtlinge.

3. Die Frage steht im Raum: Wer soll den bezahlbaren Wohnraum schaffen? Wer investiert in Wohnprojekte mit Mietpreisbindung, die bei 5,25 €/qm liegt, wenn er bei gleicher Bauweise zwischen 6 bis 10 €/qm erzielen werden kann? Das kann meines Erachtens nur die öffentliche Hand, also die Stadt Jülich.

Investoren aus der Privatwirtschaft können verständlicherweise kein Interesse an Bau von Sozialwohnungen – heute politisch korrekt „gefördertem Wohnungsbau“ – haben. Das gilt übrigens gleichermaßen für dem Namen nach gemeinnützige oder genossenschaftlich organisierte Investoren, die aus durchaus nachvollziehbaren Gründen allenfalls Mischkalkulationen anbieten können, also nur teilweise in den geförderten Wohnungsbau investieren.

Darum muss die öffentliche Hand nicht nur in der Lage, sondern in der Verpflichtung stehen, bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit einem Geldbeutel zu bauen. Die ewige Hinweis auf die prekäre Situation des Haushalts wird auf jeden Fall den Bedarf nicht decken können, zumal gerne übersehen wird, dass auch erhebliche (Immobilie)Werte geschaffen werden und die erzielten Mieten dem Kostenaufwand gegenüber stehen.

Noch ein Wort zu der Veranstaltung als solches. Das Thema ist vielschichtig und komplex.

Es war ein durch und durch gelungenes und perfekt vorbereitetes Stadtgespräch. Hierfür ein großes Lob den beiden Moderatoren, Wolfgang Hommel vom Verein Stadtmarketing Jülich und Volker Uerlings von der Jülicher Zeitung/ Jülicher Nachrichten.

Auch die eingeladenen Gäste haben mit viel Sachverstand in ihren Vorträgen dazu beigetrage, dass dieser Abend sehr informativ war und alle mit vielen neuen Informationen

sich jetzt ein Bild über die Wohnsituation in Jülich machen können.“